Abenteuer für Ängstliche

Es gibt Menschen, die gibt es wirklich, die empfinden es als erholsam, ihren Urlaub mitsamt ihrer Familie in einem Ferienhäuschen zu verbringen oder in einer Anlage des touristisch industriellen Komplexes, die Kinder werden all inclusive animiert, die Eltern reanimiert und zu essen gibt es all You can Schnipomsa mit Majo. Nun, jeder Jeck ist anders, aber ich würde in einer deratigen Urlaubssituation vom fürsorglichen Vater zum mordlüsternen Amokläufer.

Aber was tun, wenn Du als Mensch mit einem dominanten Fernreise-Gen plötzlich Kinder hast und jeder Dir voll der guten Absicht zuraunt: Du spinnst, Du kannst mit kleinen Kindern nicht durch die Welt tingeln, das ist Stress. Mallorca ist doch auch schön. Natürlich ist Mallorca schön, aber drei Wochen am Strand rumliegen, ich würde wahnsinnig, auch weil mein Sohn einen Teufel tun würde, Sandburgen zu bauen, geschweige denn, dass er mich in Ruhe lesen lassen würde. Seinem permanenten Aufschrei nach Input wäre ich auf Malle nicht gewachsen.

Was machst Du, wenn Du derartigen Urlaubsaktivitäten nichts abgewinnen kannst und Deine Kinder sich und Dich beständig fragen: Wie lange müssen wir hier noch bleiben, was machen wir hier, zuhause haben wir viel mehr Platz und meine Spielsachen sind auch alle da.

Klar, Du könntest eine Kanutour durch Schweden machen oder eine Hüttenwanderung, hab ich gemacht, war super, aber eben auch super anstrengend, denn welcher Vierjährige läuft, wenn er laufen soll, auch noch in die richtige Richtung. Es gibt derart gut konditionierte Kinder, aber mein Sohn ist Autist, das war aussichtslos. Ein Dilemma, was machen wir in den Ferien?

Der Lockruf der Wildnis und der Schmerz des unerfüllten Fernwehs wird nicht weniger, wenn Du Dich reproduziert hast, aber die Skepsis Deiner Umwelt gegenüber Fernreisen mit Kindern ist auch nicht ganz unbegründet. Es lässt sich Erquicklicheres vorstellen, als morgens um 5 Uhr mit einem Nachtbus in Guatemala City aufzuschlagen und Du Dich erstmal um eine Bleibe kümmern musst, während die Kindsmutter langsam anfängt hysterisch zu werden, Du den heißen Atem ihrer Schnappatmung im Nacken spürst und Dein Kind Rotz und Wasser heult, weil es so eben aus dem Tiefschlaf gerissen wurde. Derartiges passiert immer auf Reisen, auch wenn Du sie vorbereitet hast. Und was machst Du, wenn Du allein mit Deinem Kind unterwegs bist und plötzlich krank wirst, nein, das Risiko ist bei aller Freiheitsliebe zu groß. Was nun?SAMSUNG DIGITAL CAMERA

Ich begann ein wenig zu recherchieren, stieß auf Djoser Junior und entschied mich für das Unfassbare, eine Gruppenreise, eine organisierte, für einen alten Backpacker ein No-Go, aber das klang alles gar nicht so schlecht, nicht nach totaler Reisefreiheitsberaubung und totalitärer Befehlskette. Könnte es sein, dass diese Form des Fernreisens mit Kindern tatsächlich ein denkbar idealer Kompromiss aus Abenteuer und Sicherheit ist? Wenn Dir nur die Last und Lästigkeit der organisatorischen Rahmenbedingungen genommen wird, Du aber sonst die Möglichkeit hast, Deinem Individualreisetrieb zu frönen, das könnte was sein. Wer weiß, vielleicht geht es den anderen Eltern genauso wie mir, vielleicht macht das sogar Spaß mit denen? Ist es für Kinder nicht immer spannend und heilsam, wenn sie nicht nur auf ihre Eltern zurückgeworfen sind, sondern gemeinsam mit anderen Kindern etwas erleben?

Kurzum, wir haben uns spontan für die Thailandreise entschieden und es war einfach hinreißend, in jeder Hinsicht, 9 Kinder, 9 Erwachsene, jeden Tag 18 verschiedene Ideen und eine besser als die andere. Die Route war brillant gewählt, die Freiräume gut gesetzt, die Unterkünfte einzigartig, der Preis nicht zu schlagen und die Mitreisenden sind inzwischen ausnahmslos, wirklich ausnahmslos, sehr gute Freunde, mit denen wir noch heute regelmäßig verreisen.

Während sich die Kinder bis Nachts nach ereignisreichen Tagen im Pool vergnügten, hockten wir zusammen, haben über Tod und Teufel diskutiert und jeden Barmann zwischen Bankok und Chiang Mai glücklich gemacht. Diese Reise war derart überzeugend und hatte ein so hohes Suchtpotential, dass wir anschließend noch mit Djoser Junior in Costa Rica waren, in Indonesien und in Ecuador (Galapagos). Jede Reise war ein Knaller und mein Sohn ist mit Djoser quasi groß geworden, in Thailand war er drei und dieses Jahr, wo wir nach Namibia fahren werden, ist er acht und freut sich schon wie wild.

Wie schon erwähnt ist mein Sohn Autist. Die Reisen mit Djoser gehören inzwischen zu einer Therapie, die ich für Menschen mit Autismus entwickelt habe, notgedrungen, weil es noch keine gibt, außer eines seltsamen Konditionierungsverfahrens namens Teach. Nichts fördert ein verzerrtes Wahrnehmungsverhalten so wie Reisen mit ständigem Paradigmenwechsel, nichts schult die sozialen Kompetenzen so wie nomadisierendes Reisen in der Großfamilie, kein Ritalin der Welt ist dazu in der Lage Fokussierungsprobleme so zu lösen wir eine Kanopytour im Selva Negra, ein White-Water-Raft auf dem Mae Tang, ein Tauchgang in Galapagos, ein wilder Wellenritt am Zikate Beach oder ein Fallschirmsprung in Otavalo, um nur einige Beispiele zu nennen, alles Dinge, die in Europa natürlich strikt verboten sind, für Behinderte, gerade auch für Menschen mit neurologischen Auffälligkeiten, jedoch besser helfen als jede Moto-, Ergo-, Logo- und sonstige Therapie.

Ich möchte aus diesem Wege gerade auch Eltern mit behinderten Kindern dazu ermutigen, an solchen Reisen teilzunehmen.

Es gibt nichts besseres für Eure Kinder, zumal die mitreisenden Eltern, bedingt durch den Charakter der Reise, auch die notwendige eigene Charakterstärke mitbringen, Inklusion im Alltag zu leben, ohne sich gleich in irgendeiner Form belästigt oder um die schönsten Tage des Jahres betrogen zu fühlen. SAM_0598Bis auf eine kleine Ausnahme haben wir nur positive Erfahrungen gemacht und ich bin sicher, mein Sohn, Thaddäus, wäre heute ein anderer, ein wesentlich unglücklicherer, hätte er diese Reisen nicht gemacht.

Anbei ein paar Schnappschüsse vom Canyoning in der Nähe von Banjos, Ecuador, wo man übrigens das beste Meerschweinchen der Welt essen kann, mit den allerbesten Grüssen für Eure nächsten Reisen, vielleicht treffen wir und ja mal zwischen Kilimantscharo und nirgendwo, herzlich

 

Thomas und Thaddäus Reis

Wollen Sie mit Ihren Kindern auch Abenteuer erleben? Dann finden Sie unsere Junior Reisen hier!

  • Kommentar von Djoser
    Ein sehr schöner Beitrag zum Thema, der viel Mut macht und uns sehr freut! Passend und interessant ist eventuell auch das Buch "Wenn ich Dich umarme, hab keine Angst" von Fulvio Ervas. Wir wünschen auf jeden Fall viel Spaß in Namibia!
    04. Juli 2013
  • Kommentar von Nadine
    Sehr sehr cooler Bericht! Nur das mit dem Meerschweinchen ist nicht unbedingt nachahmenswert ;). LG, Nadine
    09. Juli 2013
  • Kommentar von Marion
    Das klingt wirklich nachahmenswert! :) Allerdings scheint Thailand mit 3-jährigem Kind nicht mehr möglich zu sein. Hab hier was von Kindern ab 5 gelesen. Schade, dass dauert noch ewig, bis unsere Kleinste soweit ist...
    27. Februar 2015

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