Afrika und doch ein wenig anders - Madagaskar

"Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord". Wer kennt diese Verse nicht, und außer, dass wir im Fernsehen Filme über die Lemuren und Baobabs gesehen haben, wussten wir doch sehr wenig über dieses Land.
Gleich zu Beginn unserer Rundreise sind wir überrascht, wie viel Reis hier angebaut und natürlich auch gegessen wird. Wie ein riesiger Patchwork Teppich liegen die Felder in unregelmäßigen Flicken über das Land. Fleißige Hände sind beim Pflanzen der jungen Triebe. Ist der Reis geerntet, werden aus der Erde und den Resten der Pflanzen Ziegel geformt, die dann haushoch als Brennofen aufgeschichtet werden. Als wir an einem solchen brennenden Ofen mit dem Bus anhalten, schlägt uns trotz der Entfernung eine höllische Hitze entgegen.
Auffällig ist, wie viele Menschen auf den Straßen unterwegs sind. Jeder hat irgendetwas zu schaffen. Die Hauptstraße in Ambositra ist ein einziger Markt besonders heute, zum Samstagsmarkt, bei dem die Leute aus der Umgebung in die kleine Stadt kommen. Nach unserem Ausflug zum Königspalast in die Geschichte der Zafimaniry, einer der vielen Volksgruppen Madagaskars, schlendern wir durch die Straßen und probieren die eine oder andere Köstlichkeit. Den Holzschnitzern sehen wir bei ihrer Arbeit zu und können natürlich so manch schönes handgeschnitztes Souvenir kaufen.
 

MG_Kattas1_BT_FOCDer Nationalpark von Ranomafana befindet sich im Gebiet des Hochnebelwaldes. Auf unserer Wanderung beobachten wir den Bambuslemur schlafend in den Baumkronen und Rotstirn-Braunlemuren hoch oben von Baum zu Baum springend. Zwei schwarze Sifakas kuscheln sich am Boden aneinander und putzten ihr Fell. Unglaublich, wie nah sie uns zum fotografieren heranlassen. Bei unserer Nachtwanderung bekommen wir das nächste Highlight vor die Linse, den Mausmaki und meine ersten Chamäleons. Diese sind so klein und gut getarnt, dass unser Guide schon erstaunlich gut trainierte Augen haben muss, um sie im Schein der Taschenlampe zu erspähen.

Pünktlich um 7.30 Uhr am nächsten Tag verlassen wir auf der RN7 Ranomafana, um nach Fianarantsoa zu fahren. Nebel hängt noch in den Wäldern, der sich erst mit zunehmender Höhe lichtet. Unzählige Zebuherden kommen uns entgegen. Nach Ankunft in Fianarantsoa genießen wir auf dem Matsiatra in einem hölzernen Einbaum die herrliche Landschaft. Sanfte Hügel begleiten das Ufer und im Papyrus können wir einen Eisvogel entdecken. Zu Fuß laufen wir anschließend durch kleine Dörfer, in denen uns die Kinder fröhlich lachend entgegenkommen. Zum Abschluss gibt es eine Überraschung, ein leckeres Picknick - vielen Dank dafür an die örtliche Agentur!

MG_Antsirabe Markt_BT_FOCIn das Trockengebiet von Madagaskar, nach Ambalavao, geht unsere Fahrt weiter. Die Reisfelder werden weniger und auch die Hänge der Hügel sind weniger bewachsen. Schwarze Flechten ziehen sich an den Berghängen streifenförmig entlang. Faszinierend finde ich immer wieder, wie geschickt die Frauen alle möglichen Dinge auf dem Kopf transportieren. Da wir heute nur 40 km Fahrtstrecke haben, sind wir schon zeitig in Ambalavao und besuchen gleich den Viehmarkt. Rinderzüchter aus dem ganzen Land treiben ihre Herden hierher. Das Hauptprodukt der madagassischen Landwirtschaft ist neben Reis die intensive Rinderzucht. Männer feilschen um den Preis, während die Frauen Obst und Gemüse nebenan auf dem Markt verkaufen, über den wir anschließend schlendern. Herzlich lachend posieren die Frauen, wenn wir sie fotografieren.
 

MG_Kattas 2_BT_FOCWeiter fahren wir Richtung Isalo Gebirge, wo wir zwei Wanderungen durch die bizarr geformten, in allen Regenbogenfarben schillernden Sandsteinformationen unternehmen. Stabheuschrecken bleiben dank unserem Guide nicht unentdeckt. Ein Paradiesvogel sitzt gut versteckt in seinem Nest. Dann hören wir die Warnrufe der Kattas. Das weibliche Leittier sitzt meist erhöht auf Bäumen oder Felsen und hält Ausschau nach Feinden, den Greifvögeln und kleinen Boas. Wir sehen wieder einer kleinen Gruppe beim Fressen zu. Doch wandern sie schnell mit erhobenem, schwarz-weiß gestreiftem Buschelschwanz weiter. Im Piscine Naturelle können wir uns dann bei ca. 35 Grad im Schatten erfrischen. Unterwegs entdeckt unser Guide einen Larvensifaka. Hübsch sieht der weiße Sifaka mit seinem schwarzen Gesicht, schwarzen Ohren und Hinterkopf aus. Sein Fell ist so flauschig, dass man ihn am liebsten einmal kraulen möchte. Zurück am Parkplatz erwarten uns schon die Kinder aus den umliegenden Dörfern, um selbstgebastelte Lemuren aus Holz zu verkaufen.

MG_Larvensifaka_BT_FOCAuf der Fahrt nach Ifaty begleiten uns links und rechts der Straße bizarre Felsformationen. Bei der „Königin von Isalo“ machen wir einen ersten Fotostopp. Saphirgräber versuchen ihr Glück in der kleinen Stadt Ilakaka.
Wir sind jetzt im Gebiet der Mahafaly, Erfinder des „fady“ in Madagaskar, was soviel wie heilig oder tabu bedeutet. Besonderheit dieser Volksgruppe sind ihre Gräber: Mit bunten Bemalungen und Holztotems erzählen sie vom Leben der Verstorbenen. Außerdem werden sie mit den Hörnern der Zebus, die zum Anlass der Bestattung geschlachtet werden, dekoriert.
Auf und ab führt uns die Straße und bei der nächsten Erhebung sehen wir zum ersten Mal das Meer. Nun ist die Hafenstadt Tuléar nicht mehr weit. Kanonenkugelgroße, braune Früchte werden an Marktständen verkauft, es sind die essbaren Früchte des Baobab und die nette Verkäuferin lässt mich probieren.

MG_BaobabSpiny_BT_FOCDer Spiny Nationalpark bei Ifaty ist ein kleines Naturschutzgebiet im Dornenwald, der viele verschiedene Arten des Baobab beherbergt. Uns wird erklärt, welches Holz für welche Teile beim Pirogenbau verwendet wird. Mit solch einer Piroge segeln wir am nächsten Tag zu einem Riff, um beim Schnorcheln bunte Fische zu beobachten. Mittags laufen wir am Strand entlang ins nächste Dorf. Als wir im Schatten eine gekochte Mango essen, bringt man uns sogar eine kleine Bank, damit wir uns setzten können, so freundlich sind die Madagassen.

Per Flugzeug fliegen wir zurück nach Antananarivo. Den letzten Höhepunkt unser Reise erreichen wir am Nachmittag. Wir verlassen Antananarivo und ich staune mal wieder, wie viele Leute auf der Straße sind. Da werden frisch gebackene Teilchen verkauft, fein säuberlich dekoriert die Frau ihre Tomaten, Gurken und Kräuter auf kleine Häufchen. Andere machen ihre täglichen Einkäufe, da kaum jemand einen Kühlschrank hat, wird stets alles Notwendige am Tag, an dem es verbraucht wird, eingekauft.
Die Landschaft wird immer grüner, die Hänge der Berge sind mit Eukalyptusbäumen und Pinien bewachsen. Irgendwann biegen wir von der Straße nach links ab, und erreichen kurz darauf unser Hotel.
MG_Chamäleon_BT_FOCAuf der Abendpirsch entdeckt unser Guide ein kleines, grünes Chamäleon. Hübsch, wie es da auf dem Ast schläft und bilderbuchmäßig seinen Schwanz eingerollt hat. Augen leuchten in den Bäumen im Schein der Taschenlampe auf. Doch der Mausmaki ist einfach zu flink, um ihn vor die Linse zu bekommen. Und dann doch, ein Zwerglemur lässt sich beim Fressen fotografieren und schaut ab und an neugierig zu uns herunter. Ein paar Meter weiter hat es sich einer auf einem Ast bequem gemacht.
Im Périnet Analamazaotra Naturreservat entdecken wir am nächsten Tag eine Gruppe Braunlemuren bei der Futtersuche. Ganz entspannt betrachten sie uns und fressen weiter. Unser Guide bittet uns zu warten und verschwindet im Dickicht. Kurz darauf führt er uns auf einem schmalen Pfad zu einer Boa, die sich gerade auf einem umgestürzten Baumstamm sonnt.
Immer wieder verschwindet unser Guide und holt uns dann nach. Zuerst hat er die Indri-Indris entdeckt, die hoch oben in den Bäumen herumturnen. Er imitiert deren Schrei und prompt antworten diese. Es ist ein schaurig schöner Ruf, den die Indri-Indris einem Gesang gleich von sich geben und alle lauschen.
Etwas später stoßen wir auf eine Gruppe Sifakas. Mit ihrem von weiß ins schwarz gehenden Rückenfell und den hellbraunen Armen und Beinen, sind sie hübsch anzusehen. Ein weibliches Tier trägt ein Jungtier auf dem Rücken, was uns neugierig betrachtet. Eine Weile sehen wir ihrem Treiben zu, wie sie quer durch den Wald springen, bis sie im Dickicht verschwinden.
MG_Levari1_BT_FOCAm Nachmittag besteht die Möglichkeit zum Besuch des Vakona Forest. Gleich am Eingang müssen wir mit Booten auf eine Insel übersetzen. Dort erwarten uns schon die ersten Braunlemuren mit hoch erhobenem Schwanz. Ehe wirs uns versehen, sitzen einige auf unseren Rucksäcken und Schultern. Flink springen sie von einem zum anderen auf unsere Schultern und Köpfe. Es ist total drollig, sie so nah zu erleben und wir haben viel Spaß. Dann wird auch ein schwarz-weißer Levari vom Treiben angelockt. Er hängt ganz lässig mal an einem Arm, dann mal kopfüber an einem Ast und lässt sich locker schaukeln. Ja, so abhängen müsste man auch mal können.
Nach einem kurzen Rundgang um die Insel fahren wir zum anderen Teil des Parks. Hier ist ein Gehege mit Krokodilen. Ein weiteres Gehege beherbergt Chamäleons. Der Wärter füttert sie mit Heuschrecken und wir können ganz nah beobachten, wie schnell die klebrige Zunge hervorschießt.

MG_Markt2_BT_FOCDer letzte Tag unserer Reise ist gekommen. Schon früh am Morgen regnet es in Strömen. Auch die Indri-Indris haben heute keine Lust auf ihren morgendlichen Gesang. Wenige Kilometer vor Antananarivo kommt dann doch noch die Sonne heraus und schnell wird es wieder warm. In der Hauptstadt kaufen wir noch die letzen Geschenke und Andenken.
Da wir bis zum Abschiedsessen noch Zeit haben, schlendern wir über den Markt. Heute herrscht hier ein buntes Treiben. Händler bieten laut rufend ihre Waren an. Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt den großen Krabben die angeboten werden und geräuchertem Thunfisch. Wir genießen es, uns entlang der Verkaufsstände treiben zu lassen. Niemand ist aufdringlich und so mancher Scherz wird gemacht.

Am Abend bedanken wir uns bei Miora für die super Reisebegleitung. Selbst kleine Wünsche hat sie erfüllt und uns ihr Land näher gebracht. Besonders gut fanden wir, dass wir uns nicht selbst um Wasserflaschen kümmern mussten. Täglich standen diese für uns im Bus bereit. Die Fahrer haben uns sicher durchs Land und über holprige Pisten gefahren und gut auf unser Gepäck aufgepasst.
Nun heißt es Abschied nehmen vom Land, den freundlichen Leuten und der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt, die wir auf Madagaskar erleben durften.

Birgit Thiel

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