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Aserbaidschan – Ein aufgehender Stern am Himmel des Orients

„Aserbaidschan? Was macht man denn in Aserbaidschan?“ – Diese Frage wurde mir von vielen gestellt, als ich die Einladung zu einer einwöchigen Info-Reise ins „Land des Feuers“ annahm und ich mich darauf vorbereitete. Ehrlich gesagt habe ich mir innerlich dieselbe Frage gestellt, da ich kaum eine Vorstellung davon hatte, was mich erwarten würde. Das Folgende hat meine kühnsten Erwartungen bei weitem übertroffen…
Gegen Mittag erreichten wir den futuristischen Flughafen von Baku, der Hauptstadt des Landes, und wurden von dort aus direkt in unser Hotel gebracht, das mit wunderbarem Blick in die Alt- und Neustadt sowie einem direkten Zugang zur Uferpromenade ausgestattet ist. Da das Programm erst am nächsten Morgen begann, bot sich am ersten Tag schon die Möglichkeit auf eigene Faust durch die abwechslungsreiche Metropole zu schlendern.
„Auferstanden aus Ruinen“ heißt es in der Nationalhymne der ehemaligen DDR – ebenso könnte man die Geschichte Aserbaidschans kurz zusammenfassen. Egal ob es die Perser, die Armenier oder die Sowjets waren, das Land wurde viele Male fremdbeherrscht und unterdrückt.  So kam es in der Vergangenheit immer wieder zu brutalen Kämpfen, vor allem in der Besatzungszeit durch die Sowjetunion und in der nach wie vor umkämpften Region Berg-Karabach. Das ist natürlich nicht spurlos an dem heute so strahlend erscheinenden Aserbaidschan vorbei gegangen, sondern hat tiefe Narben hinterlassen. Überall finden sich Denkmäler und Mausoleen, die an frühere Zeiten erinnern und auf die teilweise sehr tragische Geschichte des Landes aufmerksam machen. Unserer Reiseleiterin sieht man an, dass nichts vergessen wurde, und der Schmerz nach wie vor tief sitzt. Mit dem letzten Präsidenten Heydar Aliyev kam der wirtschaftliche Aufschwung und das Zusammengehörigkeitsgefühl einer aserbaidschanischen Nation. Heydar Aliyev ist daher im Land omnipräsent. An jeder Ecke finden sich Plakate mit seinem Bild und einigen Zitaten von ihm. Jeder Ort besitzt in der Regel ein „Heydar Aliyev Zentrum“ und mindestens einen „Heydar Aliyev Park“. Es ist also ratsam sich nicht am Heydar Aliyev Park zu verabreden, da das durchaus zu Missverständnissen führen kann.
Die Stadt Baku ist heute mit 2 Millionen Einwohnern die größte Stadt der gesamten Kaukasus Region und befindet sich im Süden der Absheron-Halbinsel, die ins Kaspische Meer ragt. Das Stadtbild ist von Bauten in den verschiedensten Stilen, luxuriösen Hotelanlagen und imposanten Neubauten geprägt. DSC05073
Mit der Ausrichtung des Eurovision Songcontests 2012 wurde die Promenade erweitert und eine Mehrzweckhalle in der Bucht errichtet. Neues Wahrzeichen der Stadt sind die 2007-2012 errichteten Flame Towers, die das Fairmont Hotel, Büros und ein Kino beherbergen. Die drei Türme sind mit jeweils 190 m Höhe von fast jedem Punkt der Stadt sichtbar. Während unserer Stadtbesichtigung bot sich uns die Möglichkeit die schöne Altstadt mit dem Jungfrauenturm (Weltkulturerbe) und dem Palast von Shirvanshakh zu besichtigen. Als Kontrastprogramm zum alten Baku erkundeten wir die neuen Monumente, die u.a. zu Ehren gefallener Aserbaidschaner in den verschiedenen Kämpfen und Überfällen errichtet wurden.
Der zweite Tag führte uns auf die Absheron Halbinsel zum „Yanardagh Naturreservat“. Auf dem Weg dorthin ist die Landschaft mit Bohrtürmen übersät, die der Gewinnung von Erdöl dienen. Öl ist eines der Hauptexportgüter Aserbaidschans und Grund für dessen Reichtum. Im Reservat gibt es eine Stelle, an der seit Jahrtausenden Flammen aus dem Boden aufsteigen. Wir mussten zweimal hinsehen, um es überhaupt glauben zu können.

DSC05125An dieser Stelle tritt Erdgas aus dem Boden und entzündet sich. Es gibt nur wenige solcher Stellen und dies erschien den Anhängern Zarathustras als göttliche Fügung, denn sie verehren das Feuer als Symbol ihres Gottes. Der Ort wurde zu einer heiligen Stätte. In der Nähe befindet sich der zu Ehren Zarathustras errichtete Ateshgah Tempel, der noch heute jedoch nicht mehr für religiöse Feuerzeremonien benutzt wird.


Das Qala Freilichtmuseum verschaffte uns einen Einblick in das Leben in Aserbaidschan in früheren Zeiten. Erschöpft von den vielen Eindrücken und den hohen Temperaturen ließen wir uns eine Abkühlung am Abend im Kaspischen Meer nicht nehmen, bevor wir ein üppiges Abendessen zu uns nahmen, wie die darauffolgenden Tage auch.

Die Aserbaidschanische Küche ist sehr abwechslungsreich und bietet Köstlichkeiten für jeden Gaumen. Über alle erdenklichen Möglichkeiten von Obst und Gemüse bis hin zu Schafs- und Ziegenkäse und das ganze in der Regel gut gewürzt, bot das Vorspeisenprogramm alles. Besonders für seine schmackhaften und knackigen Tomaten ist Aserbaidschan bekannt. Dazu gab es frisches Fladenbrot oder mit Gemüse gefüllte Teigtaschen. Der Hauptgang bestand aus Fleisch oder Fisch mit diversen angebratenen Gemüsen oder Kartoffeln oder dem traditionellen Plow, einer Art Gemüseeintopf (meistens ist das Fleisch schon im Plow enthalten). Zu trinken gab es dazu etwas, das sich Kompott nennt, mit unserer Vorstellung von Kompott allerdings nur bedingt zu tun hat. Vielmehr ist Kompott eine Art süßes Getränk mit ganzen Früchten. Nach dem Essen gab es aserbaidschanisches Baklava und schwarzen Tee mit Früchten. DSC05241

Unser nächstes Tagesziel war die kaukasische Stadt Sheki, ca. 300 km von Baku entfernt im Landesinneren. Der Weg dorthin führte uns über spektakuläre Bergpässe und saftig grüne Täler zunächst zu einem Wasserfall in der Nähe von Gabala und einer christlichen Kirche in Nic. Wir alle waren sichtlich überrascht eine christliche Kirche im islamischen Aserbaidschan zu besichtigen. Dies ist auf die Vergangenheit und die verschiedenen Völker zurückzuführen, die in Aserbaidschan gelebt haben. Noch heute gibt es eine christliche Gemeinde, die in Nic regelmäßig Gottesdienste veranstaltet und nach christlichen Vorstellungen lebt. Gegen Abend erreichten wir Sheki, wo wir in einer typischen Kervansaray, einer Art Herberge mit Restaurant, unser Abendessen einnahmen.

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In Sheki bot sich uns die Möglichkeit den alten, mit schönen Malereien versehenen Palast des Khan zu besichtigen. Der Palast ist mit besonders aufwändig gestalteten Fenstern, sogenannten Shabaka, versehen, die in einer Werkstatt nebenan hergestellt werden.
Am Ende des Tages erreichten wir den Kurort Naftalan, der für seine heilenden Ölbäder berühmt ist. Dem Naftalan-Öl werden heilende Kräfte nachgesagt. In Naftalan gibt es ein Sanatorium, das Behandlungen mit Naftalan-Öl explizit durchführt. Außer in einem Ort in Kroatien, der sein Öl aus Naftalan bezieht, ist Naftalan der einzige Ort, wo diese Art der Behandlung durchgeführt werden kann.
Unsere letzte Nacht bevor es wieder ins teilweise hektische Baku ging verbrachten wir in der zweitgrößten Stadt des Landes – Ganja. Von Ganja aus gibt des die Möglichkeit ins nahe gelegene Göygöl zu reisen, das 1819 als Helenendorf von schwäbischen Siedlern unter Zar Alexander I. gegründet wurde. Bis 2007 lebte Victor Klein als letzter deutscher Vertreter in Göygöl. Dennoch wird die deutsche Kultur noch gepflegt, so haben die Straßennamen auch heute noch deutsche Namen.
Ganja selbst bietet viele Sehenswürdigkeiten, wie das Heydar Aliyev Zentrum, eine in rotem Backstein leuchtende Moschee sowie einen traditionellen Hamam, ein typisches Dampfbad. Auch lohnt es sich durch den riesigen Heydar Aliyev Park zu schlendern, der an Gigantomanie kaum zu übertreffen ist.
Der letzte Tag ging für uns sehr früh los. Wir machten uns auf den über 350 km langen Weg über gut ausgebaute Straßen zurück nach Baku, hatten aber die Möglichkeit auf dem Weg die berühmten Felszeichnungen von Gobustan zu besichtigen. Über 6000 erhaltene Felszeichnungen aus der Steinzeit sind noch heute dort zu bewundern. Ein besonderes Erlebnis war für uns noch der Ausflug zu den Schlammvulkanen. In der Umgebung von Baku gibt es sogenannten „kalten Vulkanismus“, durch den kleine Löcher im Boden entstanden sind, die in unregelmäßigen Abständen Schlamm an die Erdoberfläche befördern.DSC05471
Den Abend verbrachten wir im noblen Four Seasons Hotel direkt an der Promenade von Baku. Beim gemeinsamen Austausch am Abend zu einem Glas aserbaidschanischen Wein konnten wir die Woche noch einmal Revue passieren lassen. Auch einen nächtlichen Badeausflug in den hauseigenen Pool konnten wir genießen, denn am nächsten Morgen ging es sehr früh los.
Nun hieß es also Abschied nehmen vom „Land des Feuers“, was uns allen sichtlich schwer fiel. Zu gerne hätten wir noch alle weiteren Facetten dieses wunderschönen Landes erkundet. Ich freue mich bereits auf ein Wiedersehen mit Aserbaidschan und hoffe Ihnen einen Eindruck vermittelt zu haben, was dieses Land so besonders macht.

Simeon Matthes
  • Kommentar von Natascha
    Vielen Dank, dass Du all diese Eindrücke und Erlebnisse aus Aserbaidschan mit uns teilst. Ein toller Beitrag. Das Land, seine Menschen, Kultur und Geschichte sind ebenso facettenreich, wie die sprachliche Vielfalt in Aserbaidschan. Seit Ende der Sowjetunion ist die aserbaidschanische Sprache alleinige Amtssprache im Land. Doch daneben werden 14 Minderheitensprachen verwendet. Spannende Infos zur Sprache in Aserbaidschan und tolle Hörproben des Aserbaidschanischen finden sich in diesem Blog, viel Freude damit und LG: https://www.stimmenkartei.de/Sprachen/native-speaker-aserbaidschanisch.html
    07. Juli 2019

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