Digital Detox für die Seele

Schon meine Mutter hat mir immer wieder gepredigt: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung! Also packe ich meine Regenjacke und die wasserdichten Turnschuhe in meinen Reiserucksack und begebe mich auf ins Abenteuer nach Costa Rica. Mitten in der Regenzeit im August, aber dafür auch in der Eiablage-Saison der Schildkröten, worauf ich mich besonders freue.

San José - die Ciudad de Colores - empfängt uns mit angenehmen Temperaturen, denn auf der Höhe von ca. 1.200 Metern ist es nicht so warm, wie an den beiden Küsten.
Aber besonders freue ich mich, als wir in den geräumigen Reisebus steigen und die Stadt hinter uns lassen.

Was ich immer vergesse, bis ich dann wieder auf Reisen bin, ist, wie viel mehr es doch zu sehen und zu erleben gibt, wenn man die Welt entdeckt. Wie viele Pflanzen, die man Zuhause nie sieht, wie viele Landschaften, die man noch nicht kennt und wie viele Tiere, die man doch höchstens mal im Zoo gesehen hat. Schon auf dem Weg in Richtung Tortuguero sehen wir das erste kleine Faultier und die Vorfreude steigt.

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Das kleine Dorf ist nur mit dem Boot zu erreichen und der Weg führt durch manchmal recht kleine und manchmal größere Kanäle, neben denen der Urwald in die Höhe schießt. Wir sehen die ersten Vögel und die ersten Eidechsen und erwischen sogar einen Kaiman, der am Ufer auf der Lauer liegt.
Unsere Lodge liegt mitten im Dschungel, direkt am Hauptarm des Kanals und selbst hier sehen wir einige Tiere. Nachts höre ich die ersten Brüllaffen schreien und schlafe mit Vorfreude auf den nächsten Tag ein.

Mit einem Wassertaxi geht es am nächsten Morgen nach Tortuguero und von dort aus in den Nationalpark. Unser Guide erklärt uns die Pflanzen und zeigt uns Tiere, die ich alleine nie im dichten Geäst des Waldes entdeckt hätte. Der Regen tropft von meiner Kapuze, aber zum Glück ist es angenehm warm. Direkt an den Urwald grenzt der raue Strand des Atlantiks und im Sand sehen wir schon die Spuren der Schildkröten, die jede Nacht für die Eiablage an den Strand kommen.
„Bei Tieren kann man nie etwas versprechen – man braucht eben Glück“, sagt unser Guide immer wieder und tatsächlich gibt es Nächte in denen keine einzige Schildkröte am Strand zu finden ist.

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Wir haben jedoch Glück, sowohl mit den Schildkröten als auch mit dem Wetter. Am Abend fahren wir über den dunklen Kanal wieder in den Nationalpark und unser Guide führt uns an den Strand. Licht ist strengstens verboten, um die Tiere nicht zu stören, es werden immer nur kleine Gruppen vor gelassen und auch nur außerhalb des Blickfeldes der Schildkröten, um die Tiere auf keinen Fall zu stören, erklärt unser Guide.

Wir stehen also in der dunklen Nacht und warten. Rechts rauscht der Ozean und links von uns blicken wir auf schwarzen undurchdringlichen Urwald. Über uns erstreckt sich ein vollkommen klarer Sternenhimmel, von dem man an anderen Orten nicht einmal Träumen mag. Keine Stadt ist in der Nähe und die Luftverschmutzung nur gering. Niemand sagt ein Wort, wir alle warten gespannt.

Als wir zu einer der Schildkröten dürfen, wird mir zum ersten Mal klar, dass ich eine völlig falsche Vorstellung hatte. Die Tiere sind riesig! Allein der Schild der grünen Meeresschildkröten, wie sie vor uns gerade ihre Eier vergräbt, wird bis zu 140 cm lang. Selbst im matt roten Licht des Guides erkennt man genau, wie sich die Muskeln in den Flossen bei jedem Schlag gegen den Sand erneut anspannen. Man hört ihren schweren Atem. Kaum vorzustellen, wie groß die Anstrengung für das Tier sein muss, ihre Eier wieder mit dem Sand zu bedecken und danach über den Strand hinweg wieder bis ins Meer zu gelangen. Der Zustand, in dem die Schildkröten sich währenddessen befinden, ist wie eine Art Trance, erklärt unser Guide, weshalb es besonders wichtig ist, sie nicht zu stören.

In einer Zeit, in der man immer das Handy parat hat, um besondere Momente jederzeit festzuhalten, ist dieses Erlebnis etwas ganz besonderes. Ausnahmsweise steht man wieder einfach nur da und genießt den Moment, ganz ohne Kamera, ohne Handy und ohne Ablenkung.

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Costa Rica bietet natürlich noch viel mehr als Schildkröten. Die Vielfalt in dem so kleinen Land ist enorm hoch und ich vermute, das versteht man erst so richtig, wenn man das Land bereist.
Von Schildkröten am dunklen Strand in Tortuguero, heißen Quellen am berühmten Vulkan Arenal, über Canopy durch die Baumwipfel des Nebelwalds von Monteverde, bringt uns die Reise weiter bis in die Region rund um den Rincón de la Vieja. Jeder Ort ist anders, wir entdecken neue Tiere, neue Pflanzen und völlig unterschiedliche Landschaften. Auch die Regenschauer am Nachmittag stören nicht weiter – Mamas Voraussicht sei Dank, bin ich ja gut vorbereitet!

Im kleinen Strandort Sàmara genießen wir die letzten Tage und lassen die Seele baumeln, bevor es über San José wieder zurück nach Deutschland geht.
 

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