Ein nicht ganz gewöhnlicher Tag in Neuseelands Tongariro Nationalpark

Im Dezember 2014 kam der dritte und letzte Teil der Hobbit Trilogie in die Kinos. Nachdem Neuseeland seit der Veröffentlichung der Herr der Ringe Filme viele internationale Touristen anzieht, die die Drehplätze beider Filmreihen besuchen, dachten wir uns, da gehen wir doch auch mal hin.


Wir, das sind Sabine aus dem Djoserbüro in Köln und Christian, ein Reisebegleiter, der in Taupo/Neuseeland lebt und primär als Arzt hier arbeitet, aber auch gelegentlich für einen lokalen Veranstalter als Guide im Tongariro National Park.

Der Tongariro National Park im Zentrum der Nordinsel, nur 1,5h Fahrt von Taupo entfernt, war mit dem “Mount Doom” oder auf Deutsch “Schicksalsberg” und mit dem Land Mordor ein wichtiger, zentraler Drehort. Aber unabhängig davon bietet der Park mit dem sogenannten “Tongariro Alpine Crossing” wohl eine der spektakulärsten Tageswanderungen in Neuseeland an. Das Crossing kann auch während der Djoser Neuseelandreise ab Taupo gemacht werden.

Die Wanderung geht mitten durch den Nationalpark, der Teil eines größeren vulkanischen Gebietes auf der Nordinsel ist, das sich von der Bay of Plenty im Nordosten mit der hochaktiven White Island über das dampfende und rauchende Rotorua bis hin zum Tongariro Nationalpark zieht. Dieser Nationalpark wurde im Oktober 1887 eingerichtet und ist somit der älteste Nationalpark in Neuseeland, jedes Jahr zieht er ca. 1 Million Touristen an. Die Fläche beträgt 795 km². Die dominierenden Berge sind der Mount Ruapehu (mit 2797m der höchste Berg der Nordinsel, Skigebiet im Winter), der Mount Tongariro (1978m) und der oben bereits erwähnte Schicksalsberg (richtiger Name: Mount Ngauruhoe, 2291m). An einem guten und wolkenfreien Tag hat man bereits von Taupo eine herrliche Sicht auf die Bergkette.

Das Crossing beginnt man üblicherweise am Mangatepopo Parkplatz (Punkt A, 1120m) und wandert dann 19,4 km zum Ketetahi Parkplatz (Punkt B, 760m). Um von B wieder nach A zurück zu kommen gibt es Shuttle-Busse oder auch lokale Veranstalter, die den Transport organisieren und einen abholen.IMG_3

Nach einer ersten, relativ flachen Stunde geht es den ersten Aufstieg hinauf, “Devils staircase oder das Treppenhaus des Teufels”. Über schier endlose Stufen windet und arbeitet man sich nach oben bis an den Fuß des Schicksalsberges heran. Nach dem ersten Aufstieg verändert sich die Landschaft, es wird vulkanischer, trocken und staubig. Farbenfrohe Erde, Felsen und Lavafelder wohin man schaut und der Mount Ngauruhoe ist auch immer im Blick, ein fast perfekt konisch geformter Vulkankegel.

Nachdem man auf dem ersten Plateau angekommen ist, geht es erst einmal eben weiter durch einen der Krater des Mount Tongariro. Der zweite Anstieg ist etwas kürzer als der erste, dafür streckenweise etwas steiler und an den schwierigsten Passagen mit Drahtseilen zum Festhalten gesichert. Er führt hinauf zum Red Crater und schon unterwegs kann man erahnen, welche Ausblicke einen oben angekommen erwarten. Der Red Crater ist, wie der Name sagt, in ein dunkles Rot gefärbt und macht seinem Name alle Ehre. Zudem bekommt man von da auch die Emerald Lakes zu sehen, die drei smaragdgrünen Lagunen, die eigentlich in jedem Neuseeland-Reiseführer abgebildet sind.

Der Abstieg auf der anderen Seite des Bergmassives zum Ketetahi Parkplatz (B) führt vorbei am Blue Lake (den man auch schon vom Red Crater sehen kann) und dann 3h bergab entlang der Te Maari Craters. Dieser Teil des Vulkanes ist zuletzt im August und im November 2012 ausgebrochen. Damals war das Crossing einige Tage lang gesperrt, eine Hütte wurde teilweise zerstört und man sieht einige Einschlagskrater von umherfliegenden Steinen und Lavabrocken, die bis zu 1m Durchmesser hatten. In der Hütte darf man bis heute nicht mehr übernachten, weil sie im vulkanisch aktivsten Teil des Nationalparks liegt. Zum Glück wurde niemand verletzt. Beim Abstieg kommt man relativ nahe an den Rauchsäulen vorbei und diese sind selbst von Taupo aus zu sehen.

IMG_5Da wir unseren Wagen aber am Mangatepopo Parkplatz (A) abgestellt hatten und keinen Shuttle organisiert haben, ging für uns der Weg ab dem Red Crater und den Emerald Lakes wieder zurück zum Mangatepopo Parkplatz (A). Jedoch beschlossen wir, weil wir gut in der Zeit lagen, noch einen Abstecher auf den Gipfel des Mount Tongariro zum machen. Dieser Umweg benötigt ca. 90min extra. Was wir in diesem Moment noch nicht wussten, war, dass unser Tag noch einen etwas ungewöhnlichen weiteren Verlauf haben sollte. Nach ca. zwei Dritteln auf dem Weg zum Gipfel, trafen wir auf ein junges deutsches Paar. Die Frau war kurz vorher gestürzt und hatte sich einen Knöchel verletzt. Nach einer Erstversorgung war schnell klar, dass sie es per pedes nicht mehr schaffen würde, einen der Parkplätze zu erreichen, da beide (A als auch B) ca. 3h entfernt waren. Die Entscheidung einen Hubschrauber zu rufen war schnell gemacht, die größere Herausforderung war eine Stelle zu finden, wo man ein Handysignal bekommt. Jedenfalls kam nach ca. 30min der in Taupo basierte Rettungshubschrauber, um die junge Frau auszufliegen. Gemeinsam mit dem Partner der Frau machten wir uns dann auf zum längeren Abstieg. Der Hubschrauberpilot benötigte noch etwas Zeit bis zum Start, weil er mit einem kleineren technischen Problem kämpfte.

Ob der “Schicksalsberg” unseren Tag bestimmte oder wir nicht brav genug waren im letzten Jahr (wir waren am Nikolaustag unterwegs), man weiß es nicht, aber beim Abstieg und keine Stunde nach dem ersten Unglück stürzte dann auch noch Sabine und brach sich unglücklicherweise den Unterarm. Erstversorgung. Hubschrauber. Das kannten wir ja schon. Glück im Unglück war, dass der Hubschrauber anfangs ja nicht starten konnte und somit noch in der Nähe war. Nach einem zweiten Notruf (wieder mit Suche nach Handysignal) wurde Sabine dann in den über dem Boden schwebenden (zum landen war es zu steil und felsig) Hubschrauber gezogen und beide Frauen wurden nach Rotorua ins Krankenhaus geflogen. Nachdem beide dann auch noch operiert werden mussten, geht es ihnen heute wieder gut. Alles in allem war das ein sehr spektakuläres Ende eines wunderschönen Wandertages – wir kommen wieder!IMG_6

Vor allem im Sommer sind täglich Hunderte von Touristen auf dem Crossing unterwegs, viele sind teils mangelhaft ausgerüstet. Das fängt beim Schuhwerk an und geht bis zum „zu wenig Wasser mitgenommen“. In der warmen Jahreszeit kann es an einem sonnigen Tag unerbittlich warm werden während der Wanderung. Dennoch muss man im alpinen Geländer jederzeit mit einem Wetterumschwung rechnen. Guter Sonnenschutz und Regenschutz sind ein weiteres Muss.

Informationen zum Crossing:

http://www.doc.govt.nz/parks-and-recreation/national-parks/tongariro/

Lage: zwischen 175° 22' und 175° 48' Ost und 38° 58' und 39° 25' Süden

Das Crossing ist ganzjährig begehbar, im Winter ist allerdings Ausrüstung (Steigeisen, Pickel und Helm) empfohlen als auch die Inanspruchnahme eines lokalen Führers/Veranstalters. Der stellt entsprechende Ausrüstung zur Verfügung. Im Sommer ist es relativ einfach möglich, selbst loszuwandern, vorausgesetzt man hat die Transportfrage ab Taupo geklärt und ist ausreichend ausgerüstet.

Genügend Wasser, gute Wanderschuhe, evtl. Wanderstöcke sind zu empfehlen, auf jeden Fall guter UV-Schutz mit Sonnencreme und Sonnenbrille/-hut. Wind-/Regenkleidung.

Strecke: Von Mangatepopo (A) bis Ketetahi (B) 19.4km, normale Laufzeit zw. 6-8h, aufzusteigende Höhenmeter ca. 800m.


Sabine Dick und Christian Haug

Möchten Sie vielleicht auch das Tongariro-Crossing in Neuseeland machen? Dann finden Sie alle weiteren Infos zu unserer Neuseeland-Reise hier!

  • Kommentar von Thomas
    Das Tongariro Crossing ist einfach eine traumhafte Wanderung, wenn das Wetter hält. Bei mir ist es leider auf der zweiten Hälfte, mit einem mehrstündigen Wolkenbruch, richtig übel geworden. Trotzdem lohnt es sich. Tipp: So früh wie möglich starten, dann ist es ruhiger und den Abzweig zum Vulkankrater mitnehmen. (Der Aufstieg und vor allem der Abstieg (durch das Geröllfeld) sind nicht ganz ohne. Einen Artikel mit weiteren Infos gibt es auf movelimits.de
    17. Juni 2017

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