Iran, die uralte, jungfräuliche Perle im Orient

„Iran, ja ich fahre in den Iran“, das war meine Antwort auf die vielen Fragen, wo es mich denn dieses Jahr hinziehen würde. „Was, was willst du denn dort, was gibt es denn da zu sehen, wie kann man in den Iran fahren, um Urlaub zu machen, hast du denn keine Angst, ist doch gefährlich etc. pp.“Das waren zu 80% die Fragen und Aussagen meiner Freunde, Bekannten und Familie. Gibt es denn bei dir keinen anderen weißen Fleck mehr auf der Weltkarte, als die islamische Republik, der Gottesstaat Iran? Hin und wieder sagte ich, dass ich nach Persien wolle. Ulkiger weise kamen dabei meistens andere Kommentare: „Oh, das soll ja toll sein!“ Wahrscheinlich assoziieren dabei die Leute die Vorstellung der üppig ausgestatteten Moscheen und Medresen, den Kronjuwelen der Pahlavi- Dynastie, des letzten Shahs Mohammed Reza von Persiens, der 1979 ins Exil ging, möglicherweise auch die prunkvolle Stadt Persepolis, die Alexander der Große eroberte und niederbrennen ließ, eben das orientalische Land aus „1000 und 1 Nacht.“ Unpassend sind, gemäß meiner Erfahrung, Ausdrücke der Angst wie: „Gefährlich, die IS, Entführungen und sonstige Gruselgeschichten.“Möglicherweise, weil durch die Medien, öfter Schreckensnachrichten über einige der angrenzenden Staaten an uns herangetragen werden.Gemälde_FOC_Ingrid Knoll
Nichts von alle dem entspricht der Realität im Iran.
Die Menschen sind äußerst gastfreundlich. Wie oft wurde ich, auf offener Straße zum Tee eingeladen. Selbst die Frauen kamen strahlend auf mich zu und wollten im Gespräch ihr englisch praktizieren, mit leuchtend geschminkten Lippen und Steckfrisuren unter dem elegant gebundenen Kopftuch, welche immer öfter, statt schwarz, frische Farben haben. Ebenso besitzen viele ein Smartphone, wollten mich photographieren und selbst abgelichtet werden. Selbst in den heiligsten Grabmälern wurde fröhlich gefilmt. Das Interesse an uns Andersgläubigen ist immens. Auch die Angst, einem Taschendiebstahl zum Opfer zu fallen, ist unberechtigt, der Respekt ist groß.

Was mich auch wunderte, dass ich in den drei Wochen, ob Land oder Stadt immer ein Netz hatte. So konnte ich mit meiner Familie in Verbindung bleiben. Damit hatte ich nicht gerechnet.
In Isfahan mache ich mich selbstständig von meiner Gruppe,  will mich einfach mal so richtig treiben lassen, um die kulturellen Schätze und das Leben auf der Straße, in aller Ruhe und nicht nach der Uhr, auf mich wirken zu lassen. Zuerst fahre ich im Taxi nach Süden(kostet fast immer zwischen 100000- 150000 Rial, zirka € 3.--5.-), über eine Brücke des Zayandehrud- Flusses zum Stadtteil Jolfa. Shah Abbas I. siedelte Anfang des 17. Jhd. 30000 christliche Armenier hier an. Sie waren exzellente Kunsthandwerker. Es wurden Kirchen gebaut, von denen die Vank- Kathedrale die bedeutendste und größte ist. Sie ist in sehr gutem Zustand. Ich bin überwältigt von den prachtvollen Malereien an den Wänden. Auf Bildtafeln wird die Christianisierung Armeniens durch St. Gregor den Erleuchter dargestellt. Unter anderem ist im surrealen Stil auch die Hölle dargestellt, was man so als Sünder zu erwarten hat für die verschiedenen Schweregrade der Sünden. Echt makaber. Es gibt auch ein Museum, wo die Geschichte der armenischen Christen im Iran und ihre Verfolgung durch die Türken während des 1. Weltkriegs dargestellt werden.

Pol-e-Khaju( Isfahan)Zayandehrud-Fluss_FOC_Ingrid KnollWieder im Taxi, lasse ich mich zum Fluss fahren, wo berühmte, imposante Brücken über den Zayandehrud gebaut wurden, von denen die vielbewunderte Pol-e-Khaju(Brücke) die schönste ist. Sie wurde unter den Safawiden, 1650 gebaut, hat 23 Bögen, ist 132m lang und 12m breit. Da sie zweistöckige Arkadengänge hat, gehe ich unten zur anderen Seite und oben wieder zurück. Sie hat die Funktion eines Dammes, mit Schleusen unterhalb der Bögen. Es sitzen viele Einheimische auf den Treppen, wo das gestaute Wasser herausschießt. Es bringt angenehme Kühlung und das Geräusch des schäumenden Elements beruhigt ungemein. Am rechten und linken Ufer wurden herrliche Gärten, Bänke und Wege angelegt, wo es sich flanieren lässt. Und so gehe ich ohne Eile den Fluss entlang bis zur nächsten Brücke, ca. 1,5 km, der Si-o-se Pol. Sie ist 360m lang und 14m breit, ist aber nur im oberen Bereich für Fußgänger begehbar. Immer wieder setzte ich mich irgendwo hin und betrachte das einheimische Treiben der Iraner. Oft werde ich von ihnen angesprochen und halte einen kleinen Plausch.

Später im Taxi bewundere ich wieder, die allgemein sehr gepflegten Straßen in den Städten,  als Alleen kultivierte Mittelstreifen für Fußgänger und die liebevoll mit Gewächsen, Bäumen, Springbrunnen und/oder Skulpturen hergerichteten Kreisverkehre. Ich bin sehr angenehm überrascht, mit wie viel Grün die Orte gestaltet sind. Grün ist ja auch die Farbe des Propheten Mohammed und die Vorstellung des Paradieses im Islam.Maydan-e-Imam_Blaue Moschee_FOC_Ingrid Knoll
Nach all der Gemütlichkeit und des Naturerlebens werfe  ich mich wieder in Richtung Kultur. Und das heißt jetzt, auf zum Herzen von Isfahan, zum Hauptplatz der Stadt, dem Maidan-e- Islam. Ein riesiger Platz geschmückt mit Blumen, Buchsbäumen und einem großen Wasserbecken. Es gibt viele Iraner, die auf Decken oder Bänken picknicken und plaudern. Wer den Maidan nicht zu Fuß umrunden möchte, nimmt sich eine Kalesche, von der man das Ensemble,  die Kulisse von Bauwerken und Natur, auf sich wirken lassen kann. Verschiedene Moscheen mit riesigen Eingangstoren, den Iwanen, geschmückt mit Mukarnas aus Mosaiken, bemaltem Stuck, oder leuchtend farbigen Kacheln, umrunden den Platz. Riesige türkisblaue Kuppeln überspannen die Heiligtümer. Dazu der Palast  Ali Qapu mit einer offenen Terrasse  überdacht, die von bunt bemalten Säulen und einer üppig bunten Stuckdecke gehalten wird. Ich genieße dieses harmonische Bild während mir der Himmel, mit dunklen Gewitterwolken und weißen Haufenwolken ein bizarres Lichtspiel liefert. Da kurz später ein „Tropenregen“ herunter prasselt, wende ich mich schutzsuchend dem überdachten, großen Bazar zu.  Rechts und links der Hauptgasse gibt es immer wieder Stichgässchen, an deren Ende sich offene Höfe befinden, die mal mehr mal weniger aufwendig restauriert worden sind und in deren Mitte fast immer ein Springbrunnen Kühle verspricht. Ich genieße das geschäftige Treiben der Händler und ihrer, mit beladenen Karren schiebenden Lieferanten.

Ich nehme jeden Stand, bzw. jedes Geschäft in Augenschein, ohne angesprochen zu werden. Großer Bazar (2)_FOC_Ingrid KnollWenn ich frage, gibt man mir freundlich Auskunft, ohne aufdringlich zu werden. Was für ein Genuss! Nach 2 gemütlichen Stunden im großen Bazar komme ich, durch Zufall, an einen weiteren großen Platz, den Maidan-e-Qiyam. Dort ragt ein riesiges, altes Minarett über die Arkadenwände des Maidan hervor. Es erinnert mich stark an die interessante Backsteinlegetechnik des ehrwürdigen Minarett“Qutub Minar“ in Delhi. Nach einigem Fragen finde ich die gewaltige Freitagsmoschee integriert in den  Bazar. Wegen der hier gefundenen vorislamischen Gebäudereste wird vermutet, dass sich hier einst ein Feuertempel der Zoroastrier befand. Die Ursprünge der Moscheeanlage gehen auf eine einfache Pfeilerhallenmoschee des 8. Jahrhunderts zurück und die verschiedenen dynastischen Herrscher modifizierten und bauten weitere Gebäude an. Der Besuch dieser Anlage ist wirklich eine Zeitreise durch die persische Kunst- und Architekturgeschichte mit einer der filigransten Gebetsnischen weltweit und deshalb unbedingt sehenswert.
Ali Qapu_Ingrid Knoll_FOC
Zu all den Schätzen, die dieses alte Kulturland bietet, darf man auf keinen Fall die großartige Mannigfaltigkeit der Landschaften außer Acht lassen. Bei einer Reise zu den Hauptsehenswürdigkeiten Irans bewegt man sich fast immer auf einer Höhe von 1300m- 1800m ü.0. Dabei begleiten einen ständig Bergrücken und Höhenzüge zwischen 2500m und 3500m wie das Zagros- Gebirge. Dazu Regionen, die lange schneebedeckt bleiben, wie z.B. der höchste Berg Damavand mit 5761m Höhe, den man, mit ein bisschen Glück, von Teheran aus majestätisch aufragen sehen kann. Auch die unterschiedlichen Formen und Farben der Gebirge sind äußerst abwechslungsreich.
Der Reichtum der Impressionen ist bemerkenswert und da sich der Iran kontinuierlich dem Westen zu öffnen scheint, kann ich Reisefreaks nur empfehlen, dieses noch ursprüngliche Juwel bald zu erkunden.

Ingrid Knoll

 

Mit Djoser in den Iran :

Rundreise Iran, 22 Tage

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