Madeira: Insel des ewigen Frühlings

Nach dem ersten Tag mit Anreise, Kennenlernen, Einkaufen und Akklimatisieren brechen wir am zweiten Tag zur ersten Wanderung auf. Sie führt uns entlang der aus dem Fels gehauenen Bewässerungskanäle, den Levadas. Sie leiten Wasser vom gebirgigen Norden zu den Feldern im Süden, die ein trockeneres Klima aufweisen. Das Gefälle eines solchen Kanals darf nicht zu stark sein, entsprechend angenehm einfach gestaltet sich die Wanderung, nur in einem längeren Tunnel muss man sich bücken. Die Wanderung endet im Caldeirão Verde, dem Grünen Kessel. An den namensgebenden bemoosten Felswänden stürzt sich ein malerischer Wasserfall in ein blau-grünes Becken, das die Kanäle speist. Der Rückweg ist identisch zum Hinweg, wir waren früh aufgebrochen, aber hier begegnen uns nun andere Wanderer. Schon auf dieser eher kurzen ersten Tour sind alle Bestandteile vorhanden, die Madeira so sehenswert machen: die üppige grüne Vegetation, Berglandschaften, eine Vielzahl von Blumen, Fels und Wasser, und immer wieder der Blick auf Meer und Himmel in ihren unterschiedlichen Blautönen.

Der dritte Tag beginnt mit dem Aufstieg vorbei an zahlreichen Nutzgärten in strömendem Regen. Wie so oft auf der Insel ist er aber nur von kurzer Dauer, und als wir die Küste hoch über dem Meer erreichen, ist es wieder trocken. Ein schmaler Pfad entlang einer Steilküste bietet spektakuläre Aussichten. Anschließend geht es ins Landesinnere, viele terrassenartig angelegte Felder, steile Straßen, die meist mit orangen Ziegeln gedeckten Häuser, und auch hier Levadas, durch den Regen gut gefüllt. Der Weg führt uns hinunter in das Küstenstädtchen Porto da Cruz. Mittlerweile sind die dichten grauen Wolken verschwunden, und der Himmel ist tiefblau. Von einem Café aus beobachten wir, wie die großen Wellen hier im Hochatlantik mit Wucht auf das Ufer treffen. Ein Bus bringt uns schließlich nach Porto Moniz mit seinem bekannten Naturschwimmbecken. Madeira hat keine Sandstrände, aber diese Pools aus Vulkangestein sind ein würdiger Ersatz.
 

PTM_Wanderweg_MS_FOCAm vierten Tag bringt ein Bus uns hoch in die Berge. Als wir aussteigen, hagelt es. Und wieder wechselt das Wetter unglaublich schnell. Aus Hagel wird Regen, und schließlich hängt nur dichter Nebel an den höher gelegenen Felswänden. Darüber bedrohlich dunkelgraue Wolken. Beeindruckende Bergpanoramen. Der Grünteppich wird durch knallgelbe Ginstersträucher unterbrochen. Bäume, die fast horizontal aus den Felswänden wachsen und sich malerisch über Wege spannen. Levadas, Wasserfälle, und eine vielfarbige Blütenpracht. Die kleinen Singvögel sind sehr vertraut mit Menschen. Der Kessel, der sich aus 25 Quellen und mehreren Wasserfällen speist, ist ein weiterer Höhepunkt.

Der fünfte Tag führt uns durch verschiedene Täler und bietet wiederum spektakuläre Panoramen. Steinmauern trennen Weidegebiete. Mehr Ginster war nie, und Reste einiger vor zwei Jahren verbrannter Bäume sind bereits wieder von dichter nachgewachsener Vegetation umgeben. Über uns Greifvögel, die Gipfel im Nebel. In einer Hütte weit unter uns läuft laute Musik, die uns noch ein Tal weiterverfolgt. In der Entfernung kleine Dörfchen aus pastellfarbenen Häusern, umgeben von den unvermeidlichen Terrassen.

Am sechsten Tag schließlich die anstrengendste Wanderung. Der Bus bringt uns hoch zum Besucherzentrum des Pico do Ariero. Wir blicken auf einen Wolkenteppich herab, darunter gelegentlich das Meer sichtbar. Darüber stahlblauer Himmel. Blickt man in die entgegengesetzte Richtung, gibt es kaum Wolken. Das Blau des Meeres trifft am Horizont auf das leicht hellere Blau des Himmels. Auf langen Wegen geht es durch das rote Gestein, zunächst abwärts. Auch in dieser Höhe immer noch Blumen und die für sie notwendigen Insekten. Schließlich über eine Vielzahl in den Fels geschlagener Treppen aufwärts. Nur noch vereinzelte Bäume, malerisch vom Wind gekrümmt. Wir gehen durch Wolken. Endlich eine Berghütte mit kleiner Gastronomie, ein kaltes Getränk nach der Anstrengung. Aber unser Ziel, der Pico do Ruivo, thront immer noch über uns. Ein letzter Aufstieg, und wir stehen erschöpft am höchsten Punkt der Insel. Wir haben Glück, und eine weite Sicht. Nach kurzem Abstieg erwartet uns ein Bus und bringt uns nach Funchal.
 

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Die verbleibenden Tage verbringen wir in Funchal, der Hauptstadt der Insel. Die Natur bleibt uns auch hier erhalten, die vielen Botanischen Gärten bieten nur eben eine gezähmte Variante. Und auch der Nebel hängt in den Bergen um die Hauptstadt. In Grüppchen erkunden wir nach Interesse die Stadt. Im hoch über Funchal gelegenen Ort Monte besichtigen wir die Wallfahrtskirche Nossa Senhora do Monte, in der der letzte Kaiser Österreichs begraben liegt. Er starb an einer Lungenentzündung im Exil. Wer mag, kann sich mit Korbschlitten wieder herunterfahren lassen. Wir nehmen die Seilbahn und gehen den Rest der Strecke hinunter zu Fuß. Die Markthalle in der Altstadt bietet Obst, Gemüse, Blumen und Fisch, malerisch arrangiert. Museen und Kirchen, die Strandpromenade, hübsche Gassen, unter ihnen am beeindruckendsten die Rua de Santa Maria, in der jede Tür ein Gemälde ziert. Wer vorher noch keinen Degenfisch mit auf der Insel gewachsenen Bananen probiert hat, kann das hier nachholen.
 

Marco Schmidt
 

Wandern auch Sie auf der Blumeninsel!
8 Tage Madeira Wanderreise

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