Gujarat: Indiens äußerster Westen

Gujarat: Indiens äußerster Westen

Gujarat ragt wie eine riesige Halbinsel ins Arabische Meer und grenzt im Norden an Rajasthan. Aber während Rajasthan vergleichsweise gut besucht ist, trifft man in Gujarat eher selten auf westliche Gesichter. Es ist die Heimat Mahatma Gandhis, den man die "Große Seele" nennt und der dort immer noch hoch verehrt ist. Ihm verdanken wir auch, dass wir kein Bier bekommen, denn es herrscht immer noch absolutes Alkoholverbot, wie von ihm damals angeordnet...

Meine 17-tägige Tour mit selbstgebuchten Flügen beginnt im März 2018 mit einer "mittleren Katastrophe": meine Reisetasche hat es nicht bis Mumbai geschafft! Aber in Ahmedabad, unserem ersten Ziel, hängt sich der Vertreter der örtlichen Agentur sofort ans Telefon auf der Suche nach meiner Tasche, und ich glaube, er hat während der nächsten 3 Tage nichts anderes getan, mit Erfolg: 4 Tage später steht sie ganz ver-schämt abends an der Rezeption unseres Hotels, und wir sind beide glücklich, dass wir uns wieder haben.

Natürlich besuchen wir gleich den ersten Ashram, den Gandhi 1917 gegründet hat. Er lebte dort von 1917 bis 1930. Die Kollektion seiner Habseligkeiten ist nicht sehr umfangreich: Holzschuhe, nahtlose Kleidung und die berühmte Nickelbrille. Die große Jama-Masjid-Moschee, die Freitagsmoschee, ist unser nächstes Ziel. Sie steht heute noch so da, wie sie 1424 vollendet wurde, mit Ausnahme von zwei Minaretten, die beim Erdbeben von 1957 in sich zusammenfielen.

Wir setzen die Fahrt in unserem bequemen Bus fort, der für uns 8 Leute viel Platz bietet. Poshina ist ein kleines Dorf in ländlicher Umgebung mit einem riesigen Maharadscha-Palast, der jetzt als Hotel dient, weil die Maharadschas jetzt ihren Unterhalt auch selbst verdienen müssen. Seine Hoheit empfängt uns höchstpersönlich und hält auch schon ein schönes Mittagessen für uns bereit. Wir fühlen uns wie in einem Märchen aus 1001 Nacht. Der Maharadscha fährt uns im Jeep über seine Ländereien, von denen er viele an seine Bauern verschenkt hat. Abends gibt es wieder schönes Essen aus der herrschaftlichen Küche.

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Weiter durch schöne Landschaft, die mit ihren großen Felsbrocken an die Landschaft um Hampi im Süden Indiens erinnern. Hoch oben auf einem Felsen liegt der Gabba-Tempel bei Ambaji, den man mit Hilfe einer Gondelbahn leicht erreichen kann. Unglaubliche Menschenmengen schlängeln sich hinauf zur Einstiegsstation. Wir sind die absolute Sensation, denn sonst gibt es keine so merkwürdig aussehenden Menschen. Jeder möchte uns die Hand schütteln, kleine Kinder werden uns entgegen gehalten, es herrscht eine wunderbar lockere Atmosphäre voller Freude und Freundlichkeit.

Etwas ganz Besonderes in Gujarat sind die Stufenbrunnen. In Patan steigen wir in einen der schönsten des Landes hinab und staunen über die wunderbaren Steinmetzarbeiten, die schon aus dem 11. Jahrhundert stammen und zeigen, welch große Bedeutung das Wasser in dieser trockenen Gegend für die Leute hat.

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Unser "Royal-Safari-Camp" in Bajana sehen wir erst am nächsten Morgen, denn bei der Ankunft ist es schon dunkel. Zu nachtschlafender Zeit besteigen wir 2 Safari-Jeeps, und es geht in die Salzwüste und Naturschutzgebiet "Little Run of Kutch". Die Gegend wirkt etwas monoton, und mitten in dieser Einöde steht die einsame Hütte eines Salzbauern. Nur die Frau ist zu Hause und freut sich sichtlich, dass wir sie besuchen.

Gegen Abend stehen die beiden Jeeps wieder bereit, um uns ins Dorf zu fahren. Weiter geht’s auf einer Kamelkarre, deren Fahrt bei einem Weber unterbrochen wird der aus Wolle und Baumwolle aus seiner nahen Umgebung wunderschöne Stoffe webt. Wir haben auf dieser Reise eine ganze Reihe kleiner Handwerksbetriebe besucht, meist kleine Einmannwebereien, wo z.B. die Muster mit Stempelblöcken auf den Stoff aufgebracht werden oder wo kleine Spiegelchen in den Stoff eingearbeitet werden. Oder ein Glockenmacher, der aus alten Autoteilen Glocken in verschiedenen Größen herstellt. Im Dorf Nirona entdecken wir eine ganz besondere Werkstatt, nämlich eine, die die Kunst der "Rogan Art" noch beherrscht. Rizinusöl wird ca. 12 Stunden erhitzt und dann in kaltes Wasser gegossen. Es entsteht eine dickliche Masse, die mit mineralischen Pigmenten gefärbt und mit einem Stift in unglaublich feinen Mustern auf den Stoff aufgetragen wird.

In Janagadh bewundern wir zur Abwechslung ein prächtiges Beispiel indo-islamischer Architektur, das Mausoleum der Nawabs und daneben das Maqbara des Wesirs. Auf dem Weg nach Süden machen wir einen Umweg zur Besichtigung eines der bedeutendsten Shiva-Heiligtümer, das sich in Somnath direkt am Meer befindet. Die Besuchsregeln sind streng: Da es sich um einen Jain-Tempel handelt, darf nichts mitgebracht werden, was irgendwie tierischen Ursprungs ist, d.h. keine Ledertasche, keine Geldbörse, keinen Ledergürtel und Schuhe sowieso nicht. Natürlich keine Kamera, kein Handy - man ist also sozusagen "nackt".

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Diu, ganz im Süden am Arabischen Meer gelegen, wird als Unionsterritorium von Delhi aus regiert. Das macht die Stadt sehr entspannt, vor allem durch die fehlenden Alkoholbeschränkungen! Die Altstadt, ein einziges Gassenlabyrinth, ist noch sehr portugiesisch geprägt mit vielen alten renovierten Häusern.

Ein weiterer Höhepunkt zum Schluss: der kleine Ort Palitana wäre völlig unbekannt, gäbe es nicht den heiligen Berg Shatrunjaya, die wichtigste Pilgerstätte der Jains in Indien. Auf seinen beiden Gipfeln befinden sich - kaum zu glauben - ca. 900 größere und kleinere Tempel, je nach Reichtum der einzelnen Jain-Familien, die sie gestiftet haben, um sich damit Verdienste für ihr Leben nach dem Tod zu erwerben. Es gilt, ca. 3.400 Stufen zu bewältigen - auch damit hat man sich schon Verdienste erworben. Man kann sich allerdings auch einen Dholi mieten, eine von 4 starken Männern getragene Sänfte. Aber wir quälen uns bei beträchtlichen Hitzegraden die Stufen hinauf, jeder in seinem Tempo. Und wir tun dies wohl wissend, dass absolutes Fotoverbot oben herrscht, was beim Anblick dieser unvergleichlichen Fotomotive sehr weh tut!

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Wieder zurück in Ahmedabad gibt es noch zwei spektakuläre Stufenbrunnen zu besuchen, der letzte ganz in der Nähe des Flughafens. Ein schöner Abschluss einer wunderbaren Reise.

Hannelore Koch

Hier finden Sie eine Übersicht über Djoser-Reisen nach Indien.

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